Aphrodite Anadyomene
Römisch, 1. Jh. n. Chr. Provenienz: Sammlung Mary Walter, England, vor 1945 Der Marmortorso ist abgesehen von leichten Bestoßungen im Bauchbereich sehr gut erhalten. Die Bruchstellen beider Arme weisen Spuren von Verdübelungen auf und waren, wie evtl. auch das rechte Bein, separat gearbeitet. Die Oberfläche ist sehr sorgfältig bearbeitet und die antike Politur erhalten. Die Wiedergabe der Körperformen, besonders die weiche Textur der Haut, zeugt von der hohen technischen Fertigkeit des Künstlers. Dies wird besonders im Bereich des Bauches deutlich, der eine sehr feine Modellierung der Muskelpartien erahnen lässt. Dr. Marc Kähler
Marmor, H. 35,6 cm
Die unbekleidete Frau hat das rechte Bein leicht vorgestellt und den rechten Arm stärker erhoben als den linken, was im Zu-sammenspiel eine raffinierte Körperdrehung erzeugt. Aufgrund der Nacktheit kann hier nur die Göttin Aphrodite dargestellt sein. Der griechische Bildhauer Praxiteles war der erste, der Aphrodite völlig unbekleidet darstellte, um die körperlichen Reize der Göttin zu betonen.
Das Motiv der erhobenen Hände lässt sich sicher als Auswringen ihrer Haare deuten. Somit ist dieser Torso dem vor allem während der römischen Kaiserzeit sehr beliebten Typus der Aphrodite Anadyomene zuzuordnen. Als Vorbild hierfür diente wohl ein berühmtes Gemälde des Apelles aus dem späten 4. Jh. v. Chr., das in der Folge auch rundplastisch verwirklicht wurde. Die Göttin ist in dem Moment dargestellt, in dem sie dem Meer entsteigt, dem Mythos nach dem Moment ihrer Geburt. Eine Vielzahl von Bildwerken zeigt Aphrodite in diesem Bildschema, wobei eine eindeutige Trennung von anderen nackten Typen schwierig ist.
Die Kleinformatigkeit dieser qualitätvollen Skulptur spricht für eine Aufstellung im privaten Bereich, wahrscheinlich in der Villa eines begüterten Römers.







